Maryam Akhondy & Barbad Ensemble - Konzert

Maryam Akhondy, Botschafterin mit kraftvoller Stimme

Die iranische Sängerin ist unter ihren Landsleuten eine Ikone. Am 11. August ist Maryam Akhondy mit ihrem Ensemble Barbad in der Kirche St. Maximilian zu Gast.

benedikt-fuhrmann-ein-blick-iran-maryam-akhondy-barbad-ensemble.jpg

„Ich freue mich, wenn ich etwas dazu beitragen kann, dass eine positive Stimmung und Frieden in die Welt getragen werden“, sagt Maryam Akhondy. Aus diesem Grund kommt die iranische Sängerin mit ihrer Gruppe Barbad am 11. August für ein Konzert in der Reihe „Ein Blick Iran. Live in Concert“ nach München. „Der Weg in eine friedvolle Welt ist sehr, sehr lang. Aber ich freue mich über jeden noch so kleinen Schritt in die richtige Richtung. Einer davon ist, die Iraner als Menschen zu zeigen, nicht zu verallgemeinern und das vielfach von den Medien gezeichnete Bild um diese wichtigen Aspekte zu ergänzen.“

Akhondy gilt als eine der Virtuosinnen des klassischen persischen Gesangs. Mit 18 Jahren entdeckte der bekannte iranische Operettenkomponist Ostad Esmail Mehrtasch ihr Talent und unterrichtete sie. Anschließend nahm Akhondy neben ihrem Studium der Theaterwissenschaft in Teheran Gesangsunterricht bei Ostad Nasrollah Nassepour, einem der bedeutendsten Lehrer des klassischen persischen Gesangs. Bei ihm lernte sie „radif“, die Ordnung und Systematik persischer Musik, und „tahrir“, die charakteristische Gesangstechnik in der traditionellen iranischen Kunstmusik.

1986 wanderte Maryam Akhondy nach Deutschland aus, da nach der iranisch-islamischen Revolution im Jahr 1979 öffentliche Auftritte von Sängerinnen im Iran verboten wurden. Akhondy ließ sich in Köln nieder und konnte dort bald an ihre musikalischen Erfolge in Iran anknüpfen. Gemeinsam mit anderen im Exil lebenden, iranischen Musikern gab sie Auftritte in ganz Europa, arbeitete aber auch mit Künstlern anderer Nationen zusammen, beispielsweise mit dem amerikanischen Jazz-Vokalisten Bobby McFerrin sowie mit der Schäl Sick Brass Band. In der gemeinsamen Arbeit mit der Kölner Band verbanden sich westliche und orientalische Klänge in einer bis dahin unbekannten Weise miteinander. Akhondy gastierte mit dieser Gruppe nicht nur auf vielen großen Musikfestivals in Europa, sondern gab auch Konzerte in Marokko und in der Türkei. Beim Festival Women Of The World 1999 tat sie sich mit Yungchen Lhamo (Tibet) und Ida Kelarova (Tschechien) zusammen, um zum Motto „East Meets Far East“ ein gemeinsames Konzert zu erarbeiten. Im Frühjahr 2000 folgte eine Tournee mit dem in den USA lebenden afghanischen Sänger und Musiker Nahim Popal und zu ihrem Konzert beim traditionsreichen Iranischen Theaterfestival in Köln erschien Maryam Akhondy im gleichen Jahr sogar mit einem eigens dafür zusammengestellten afghanisch-indischen Orchester.

Ein besonderes Anliegen ist der iranischen Sängerin, die traditionellen Lieder der Frauen in der iranischen Kultur am Leben zu erhalten. Zusammen mit ihrer Gesangsgruppe Banu – musikbegeisterte Exiliranerinnen, die in Deutschland leben – möchte sie auch den persischen Frauen eine Stimme geben, die bisher auf den Bühnen der Konzertsäle und

Festivals nicht mit ihren Liedern präsent waren. „Die Stimme ist das erste und das natürlichste Instrument, das jeder Mensch hat“, sagt die 55-Jährige. „Die Frauen in Iran singen bei vielen Anlässen, zum Beispiel bei der Arbeit, auf dem Feld und im privaten Rahmen. Selbst einfache Frauen beschäftigen sich mit Musik. Diese gehört ganz selbstverständlich zu ihrem Leben.“

Mit der Gruppe Barbad, ebenfalls von Akhondy gegründet, steht die iranische Künstlerin seit Mitte der 1990er Jahre auf der Bühne. Zur Stammbesetzung dieses klassischen persischen Ensembles gehören exil-iranische Musiker, die in unterschiedlichen Ländern Europas beheimatet sind. In München wird Maryam Akhondy von Nariman Hodjati an der persischen Laute „Tar“ und von Syavash Rastani begleitet, der die traditionellen Trommeln „Tombak“ und „Daf“ schlägt. Die Texte sind hochpoetisch, die Gesänge zugleich ernst und feierlich. Viele der Lieder gipfeln in Tahrir-Improvisationen, in vokalen Koloraturen, die sich scheinbar mühelos über mehrere Oktaven hinweg schwingen. Seinen Namen lieh sich das Ensemble von einem persischen Musiker aus dem 7. Jahrhundert. Zugleich ist „Barbad“ aber auch der Name eines alten persischen Saiteninstruments.